Was gibt es über uns so zu berichten?
Unsere Geschichte reicht bis in die erste Hälfte des
vorletzten Jahrhunderts zurück.
1823 wurde die erste Handdruckspritze von der Firma Lessing aus
Annaberg angeschafft. Nach langen harten Jahren wurde 1890 die
Handdruckspritze von Flader aus Jöhstadt als Unterstützung angeschafft.
Sie erlebte ihren letzten Einsatz beim Moorbrand in der Reifländer
Heide. Unsere erste Feuerlöschordnung trat am 18.03.1873 in Kraft. In
ihr waren die Maßnahmen für den Brandschutz vorgeschrieben und sie
verpflichtete dazu, geeignete Männer zur Brandbekämpfung heranzuziehen.
Diese Männer gründeten 1898 den Militärverein, der bis 1928 die
Brandbekämpfung sicherte. Um sich dem Feuerwehrgedanken noch mehr zu
verschreiben, gründeten diese Männer am 28.10.1928 offiziell die
Freiwillige Feuerwehr Reifland unter dem Kommando von Kurt Uhlmann. Die
Mannschaftsstärke von 40 Mann war zu dieser Zeit schon eine beachtliche
Größe bei einer Einwohnerzahl von ca. 800 Personen. Als erstes beschloss
man ein Grundgesetz, welches man heute Satzung nennt. Dies trat am
01.09.1929 in Kraft und regelte zunächst die Einteilung des „Korps" in
einen Rettungszug und einen Löschzug. Zur Leitung und Führung der
Mannschaft war der Hauptmann und sein Stellvertreter zu wählen. Klare
Regelung gab es bei unentschuldigtem Fehlen bei Versammlungen, Übungen
und Einsätzen. Es war ein Obolus in die Korpskasse zu entrichten; jedoch
musste man mit dem Ausschluss rechnen, wenn mehr als drei
unentschuldigte Einträge zu Buche standen. Verpflichtet wurden die
Kameraden durch einem Handschlag durch den Hauptmann, was sich so
bewährt hat, dass dies laut Feuerwehrsatzung der Stadt Lengefeld heute
noch so durchgeführt wird.
Nun galt es das vorhandene Löschgerät zu
komplettieren und eine notwendige Unterstellmöglichkeit zu errichten.
Eine Prüfung am 29. Juli 1930 durch den Landesverband sächsischer
Feuerwehren ergab, dass die Wehr nicht nur über die beiden bereits
genannten Handduckspritzen verfügte, sondern auch über einen
Gerätewagen, 400 m Hanfschlauch, 2 m gummierten Schlauch, 2
Steigerleitern und einer Anstellleiter mit einer Länge von 8 m. Zur
Prüfung waren 10 Mann mit Steigerausrüstung, 7 Mann mit Laternen, 4 Mann
mit Schlauchschlüssel und 4 Mann mit Signalhorn versehen. Die Prüfung
der Leistungsfähigkeit in den Disziplinen Fußübungen, Spritzenübungen,
Schlauchübungen und Leiterübungen ergab ein Gesamtresultat von „sehr
gut" und der Prüfbericht endete mit der Einschätzung „Das Verhältnis der
Gemeinde zur Wehr ist völlig befriedigend". Auch die Frauen der ersten
Kameraden trugen zur Gesellschaftlichkeit in der Wehr bei. Somit
stifteten die Frauen 1936 das Tischbanner mit der Losung „Einer für alle
– alle für Einen", welches noch heute bei bestimmten Anlässen in unserer
Mitte steht.
1940
wurde für einem Preis von 2.242,55 RM die erste Motorspritze vom Typ
Flader „Siegerin" angeschafft; sie ist seit 2003 komplett restauriert
und wiederaufgebaut. Jedoch war der Einsatzradius der Wehr begrenzt, da
der Gerätewagen und die beiden Handdruckspritzen von den Kameraden per
Hand zur Einsatzstelle gezogen werden mussten. Kam es jedoch mal zum
Einsatz außerhalb des Ortes, so musste ein Pferdefuhrwerk vom
„Hansenhof" herbeigeholt werden, welches die Geräte zog bzw. beförderte.
Auch für den 1966 angeschafften TS 8-Anhänger gab es zunächst kein
Zugfahrzeug.
Erst
im Oktober 1970 war die Wehr durch die Übergabe eines Kleinlöschfahrzeug
vom Typ B-1000 voll motorisiert. Seinen Platz fand dieses Fahrzeug in
einem alten Stallgebäude, welches die Kameraden vorher in Eigenleistung
zu einem Gerätehaus umgebaut hatten. Der TS 8-Anhänger wurde an die
Talsperre Saidenbach zur weiteren Nutzung abgegeben. Obwohl es bis 1970
bei der Mobilität mangelte, mangelte es nicht an Einsätzen. Zum Beispiel
der Flugzeugabsturz 1945 auf „Schreiters Höh´", der Brand des Roten
Hauses am 01.07.1957, Waldbrände 1961 und 1966 in Rauenstein sowie ein
Zimmerbrand in der Kolonie in Richtung Vogelmühle im Jahr 1964,
Zimmerbrände im Haus Nr. 111 im Jahre 1963 und in der Ölmühle im Jahre
1970. Zu größeren Einsätzen weiteten sich Scheunenbrände in den Jahren
1971 und 1979 aus.
Nicht nur zu Bränden sondern auch zu „elementaren
Einsätzen" wurde die Wehr gerufen. Ob es Einsätze zum Leerpumpen von
Keller, zum Freihalten der Flöhabrücke oder Talsperrenmauer vom Eis, zur
Beseitigung von Überschwemmungsschäden oder nicht zuletzt zur
Schneeberäumung waren; immer konnte man sich auf die Männer und Frauen
der Wehr verlassen. Richtig, die Freiwillige Feuerwehr hatte auch Frauen
in ihren Reihen. Elke Enger, Lisbeth Schönherr, Lisbeth Milleck, Eugenie
Seiffahrt und Anita Possekel gründeten an 01.04.1964 die Frauengruppe
der Feuerwehr Reifland.
Jedoch blieb es nur bei einer Episode, denn es nahm zu dieser Zeit keine
Frau am aktiven Dienst teil. Schon zur Prüfung 1930 bewies die Wehr
einen hohen Leistungsstand, den man über Jahre aufrechterhalten konnte.
Die Inspizierung 1958 erbrachte der Wehr die Note 1. Auch bei den
Kreisausscheiden 1961, 1962, 1967 und 1971 erreichte man jeweils den
1.Platz in der Gruppe 3. Dies
war nicht zuletzt der Verdienst der jeweiligen Wehrleiter, als da waren:
Kurt Uhlmann von 1928-1945, Paul Körner von 1945-1948, Martin Hähnel von
1951-1959, Helmut Uhlig von 1959-1983 (er war bis zu seinem Tote als
Ehrenmitglied in der Wehr) Mathias Meyer von 1983-1988. 1993-1995
übernahm Günter Körner die kommissarische Leitung der Wehr.
Nun
hieß es durchhalten aufgrund von Mitgliederschwund, bis 1997 Karl-Heinz
Possekel die Leitung der Wehr übernahm und neue Kameraden in die Wehr
eintraten. Er übernahm die weitere Leitung der Wehr und setzte den Trend
des Mitgliederzuwachses bis zum heutigen Tage fort. Nun geht es mit den
Mitgliedern bergauf, aber die Technik kommt in die Jahre und kann kaum
noch den Anforderungen standhalten. Der B-1000 hatte nun schon 27 Jahre
auf dem Buckel und es musste eine Ersatzbeschaffung her. Nach langem hin
und her mit den Behörden und der Stadtverwaltung war es soweit. Am
27.06.2002 wurde das neue Fahrzeug ein TSFW–Z von Magirus
auf Iveco Daily Fahrgestell in Dienst gestellt. Der ersten Einsatz mit
dem neuen Auto war wenige
Wochen nach der Übergabe; zur Flutkatastrophe im August bewährte es sich sehr gut. Auch
das Gerätehaus sollte bis zur 600-Jahrfeier von Reifland im neuen Glanz
erstrahlen, also hieß es alle müssen mit ran, da bei uns Eigenleistung
groß geschrieben wird. Von der Fassade über das Vorhaus, durch die
Umkleide bis zum Dach, alles in Eigenleistung aber mit dem Geld der
Stadt. Auch die alte Technik z.B. der TSA-4 von 1940 und der TSA-8 der
2002 in die Wehr zurückkam, strahlten dank Eigenleistung der Kameraden
wieder im neuen Glanz und fanden ihren Platz neben dem B-1000 im Anbau
des Gerätehauses, der ebenfalls in Eigenleistung der Kameraden errichtet
wurde. Liebe Gäste, wir sind nun mit unserer Chronik im Jahr 2006
angelangt und können stolz auf eine 183 jährige Vergangenheit
zurückblicken. Von der Vorgeschichte über die Gründung bis heute können
wir mit Stolz behaupten die jüngste Wehr im ehemaligen Kreis Mek mit 80
Jahren, und einem Altersdurchschnitt von 27 Jahren, zu sein.